Hilfen für traumatisierte Flüchtlingskinder

Flüchtlingskinder aus Krisengebieten wie Afghanistan, Syrien, Somalia oder Eritrea haben oft Furchtbares erlebt, wenn sie in Deutschland ankommen.Sie haben dort Erfahrungen von Tod, Gewalt, Folter oder Vergewaltigung gemacht und oftmals auch eigene enge Angehörige verloren.

Schätzungsweise zwei Drittel dieser Kinder sind traumatisiert im Sinne einer posttraumatischen Belastungsstörung.Kindergärten und Schulen werden zunehmend mit traumatisierten Kindern konfrontiert, doch die Pädagogen sind mit der Situation oft überfordert.

Traumaerfahrungen können vielfältigste und nicht immer sofort richtig zuzuordnende Auswirkungen auf das (soziale) Verhalten von Kindern haben – sie können ängstlich, traurig, unruhig, zappelig, schreckhaft, aggressiv oder auch völlig in sich zurückgezogen erscheinen. Auch körperliche Beschwerden wie Magen- und Darmprobleme, Müdigkeit oder Essstörungen können die Folge von traumatischen Erlebnissen sein.

Bei der Betreuung von traumatisierten Flüchtlingskindern können Schulen nach Ansicht des Traumaexperten Georg Pieper (Interview: Sandra Cartolano, dpa ) eine Schlüsselrolle übernehmen.

Es gibt recht einfache therapeutische Mittel, die Lehrer lernen und in den Vorbereitungsklassen einsetzen können. Sie können Kinder zum Beispiel mit traumapädagogischem Hintergrundwissen anleiten, Bilder von einer schlimmen Situation zu malen – immer wieder neu, bis die Bilder in eine positive Richtung führen. Dass Lehrer diese Aufgabe übernehmen, ist nach seiner Ansicht der einzige Weg, da wir nicht all die Tausenden Flüchtlingskinder zum Therapeuten schicken können, dafür haben wir keine Kapazitäten.

Er fordert, dass die Lehrer geschult werden müssen, und dafür müssen Gelder her. Das Geld, das jetzt investiert werden muss, ist ein Klacks gegenüber dem, was sonst eventuell an Problemen auf uns zukommt. Unbehandelte Traumatisierungen können zu erhöhten Kriminalitätsraten, zu Aggressionen, psychischen Erkrankungen, Depressionen und Suchterkrankungen führen.  Zur Willkommenskultur gehört seiner Meinung nach unbedingt auch die Bereitschaft, sich mit den Traumata der Flüchtlinge auseinanderzusetzen.